Was kann ich wissen?

 

Zu wissen, was man weiß, und zu wissen,
was man tut, das ist Wissen.
Konfuzius

Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist
oder zu sein vermeinet,
sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat,
hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.
G.E.Lessing

 

Es ist die erste der vier Kant´schen Fragen: Was kann ich überhaupt wissen, und wie komme ich zu Erkenntnis? Die Frage nach der Erkenntnis mündet unweigerlich in die Frage nach der Möglichkeit von Wissen und darin, ob es überhaupt sicheres Wissen gibt. Sokrates fasste seine Erkenntnis bereits lange vor Kant in den Satz: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Nach Immanuel Kant kann der Mensch die Wirklichkeit (das Ding an sich) nicht erkennen. Er macht sich – aus seiner Erfahrung heraus – eine Vorstellung und gewinnt einen subjektiven Eindruck. Aus der eigenen Vorstellung wird eine Wahrheitsdefinition.

Auch der Philosoph Thomas Nagel vertritt in „Woher wissen wir etwas?“ die These, dass der Mensch sich nur über das Innere seines Bewusstseins ganz sicher sein kann – alles gründet sich auf die eigenen Erlebnisse, Gedanken, Gefühle und Sinneseindrücke. Die Außenwelt, alles was weiter weg ist von uns, erreicht uns nur durch die inneren Erlebnisse und Gedanken.
Was aber nimmt der eine wahr, was der andere? Wie kommt jemand zu einem Standpunkt, zu einer Aussage? „Die eigene Überzeugung ist fehlbar. Im Singular ist der Mensch eine höchst unzuverlässige Wissensquelle“ urteilt die ZEIT vom 4. Mai 2017 mit Bezug auf den Dunning-Kruger-Effekt, der die Tendenz uns selbst zu überschätzen beschreibt. Mangelnde Kompetenz führt demnach nicht zur Selbstkritik, sondern zur Selbstüberschätzung.

Ist es vielleicht ratsam, vom Wissen wieder mehr zur Suche zurückzufinden?
Zusammen mit anderen sind wir Menschen zu Großem fähig: Deshalb konnten wir u.a. zum Mond fliegen und Systeme künstlicher Intelligenz entwickeln. Je mehr Perspektiven wir einbeziehen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, einer relativen Wahrheit näher zu kommen.
Bereits Aristoteles hat in seiner Summierungsthese den Grundgedanken des später als „Schwarmintelligenz“ bezeichneten Phänomens beschrieben: Die Vielzahl von Einschätzungen hilft, die bestmögliche Lösung zu entwickeln.

Wie aber können wir diese Erkenntnis in einer Organisation nutzbar machen, damit sich dieses Phänomen auch tatsächlich entfaltet und nicht zu Social Loafing (sozialem Faulenzen) in elend langen Sitzungen verkommt, oder zur Bühne für Demagogie wird?

Wie finden wir individuell wie kollektiv vom vermeintlichen Wissen zurück zur Suche nach mehr Erkenntnis?

 

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