Spurensuche

„...I am the master of my fate,

I am the captain of my soul.“

 

… lauten die Schlusszeilen eines Gedichts von William Ernest Henley, das er 1875 unter dem Titel „Invictus“ veröffentlichte.

Wie sehr sind wir tatsächlich die Meister unseres Schicksals? Kapitäne unserer Seele?
Lachse kehren zu den Laichgründen zurück, in denen sie einst geschlüpft sind. Frösche zieht es an den Teich ihrer Geburt. Ihre Wege sind vorgegeben: Es sind die ihrer Eltern.
Nicht anders beim Menschen. Die Beziehungserfahrungen der ersten Lebensjahre und die Werte der Eltern prägen unsere Persönlichkeit und unseren Blick auf die Welt: Urvertrauen oder Misstrauen, Nähe oder Distanz, Autonomie oder Zweifel sind erste Grundeinstellungen, die wir in Teilen erben und die unserer Leben beeinflussen – ob wir wollen oder nicht. Und doch entwickeln wir uns auch eigenständig. Wer Geschwister hat, weiß, dass und wie unterschiedlich sich Geschwister meist entwickeln. Die spannende Frage ist, wodurch wird das begünstigt oder begrenzt? Wo sind die Muster gleich, wo unterschiedlich?

In unserem Alltag sind wir häufiger als wir denken mit unserer Herkunft, mit unseren Prägungen konfrontiert. Verhaltensstrategien, die in einem anderen Kontext (vielleicht überlebens-)wichtig waren, haben sich verselbständigt, sind zum Verhaltensmuster geworden.
Der Gewissenhafte, der sich wieder mal zu viele Themen aufgeladen hat, obwohl es ihm nicht guttut. Die Geschäftsführerin, die den Konflikt ignoriert, obwohl ihr klar ist, dass sie intervenieren müsste.

Wir setzen die Muster nicht immer nahtlos fort. Je nachdem, entscheiden wir uns auch gerade für das gegenteilige Extrem. Wenn wir uns nicht aktiv von den unguten Mustern lösen und unser Handlungsspektrum erweitern, bleiben sie uns oft lebenslang – Im Umgang mit Konflikten, mit Angst und Unbekanntem, mit Anerkennung und Kritik, mit Engagement bzw. Abgrenzung – und schlagen gerade in Krisen nahezu ungebremst durch.

Was denken Sie? Wie gut gelingt es Ihnen, eigene Pfade zu gehen?

 

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