Im Trubel allein


Sicher steckt im Begriff "Führen",
den der Duden
allein mit "die Richtung bestimmen" definiert,

ein Hauch von Einsamkeit: Wer führt, der ist allein.
Daniel Goeudevert

Ich habe nie gesagt: 'Ich will allein sein.'
Ich sagte: 'Ich will allein gelassen werden'
- das ist ein Riesenunterschied.

Greta Garbo

 

Erfolg im Beruf ist eine tolle Sache. Aber wir kennen auch die dunklen Stunden. Wenn sich die Gedanken in Denkschleifen verlieren, wenn die Sorgen den Verstand lähmen und müde werden lassen. Dann bräuchte es Zuspruch oder einen Perspektivwechsel, um wieder Sicherheit, einen Impuls oder einfach nur neue Energie zu gewinnen. Doch Offenheit ist dünnes Eis. Niemand will die eigene 'Führungs-Kraft' infrage gestellt wissen. Gerade Führungskräfte spüren die Sehnsucht nach Austausch und Reflexion auf Augenhöhe und entscheiden sich dennoch häufig dafür, es mit sich allein auszumachen. Das macht Führung oft zu einem einsamen Geschäft.

Nicht selten herrscht auch Sprachlosigkeit im privaten Umfeld. Paare, die den Weg in die Paarberatung finden, erzählen mehrheitlich Geschichten von schleichender Entfremdung. Manche können nur noch über die Arbeit oder über gar nichts mehr reden. Die Themen der Familie und Freunde erscheinen belanglos gegenüber dem, was es im Beruf tagtäglich zu bewältigen gilt. Das Gleichgewicht von Leistung, Beziehungspflege, Gesundheit und Zukunftsoptimismus kippt. Trennungen, Scheidungen und auch Suizid treten bei Führungskräften gehäuft auf.

Der Soziologe Robert Weiss von der University of Massachusetts identifizierte zwei messbare Dimensionen sozialer Einsamkeit: die, die einen Mangel an sozialer Integration erfasst, und eine emotionale Einsamkeit, die den Mangel an festen Vertrauenspersonen abbildet.

"...Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein..." heißt es in der Ode „An die Freude“. Friedrich Schiller wusste genau, warum und von was er da schrieb. Ihn verband eine tiefe Freundschaft mit Christian Gottfried Körner. Ein Gefährte, der Schiller inspirierte, immer wieder ermutigte und ihn zeitlebens unterstützte. Auch Martin Luther hätte wohl ohne die Ermutigungen seines Freundes Philipp Melanchthon wahrscheinlich nie die Bibel ins Deutsche übersetzt.   

Selbst Miss Sophie aus „Dinner for one“ könnte es helfen – wenn sie ihre Perspektive ändern würde. Statt jedes Jahr wieder ihren vier toten Freunden zuzuprosten, könnte sie einfach mit dem treuen James anstoßen. Er wäre ein guter Freund. Und ein ganz realer noch dazu.

Frodo hatte Sam als Gefährten. Wen haben Sie?

 

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