Demut und Macht

 

 

Die Reife eines Menschen

zeigt sich am deutlichsten an dem Dienst,

den er in der Gemeinschaft leistet.

Pedro Arrupe (spanischer Jesuit, 1907 – 1991)

 

 

 

Der kanadische Philosoph Charles Taylor resümierte bereits vor mehr als 20 Jahren: Das Gefühl, die Emanzipation von einer höheren Instanz habe nicht nur zur Befreiung des Menschen geführt, sondern auch eine Lücke hinterlassen, einen Mangel an moralischer Verbindlichkeit.

Karl-Theodor zu Guttenberg entschuldigte sich seinerzeit "in Demut" nach der Plagiatsaffäre, der damalige FDP-Generalsekretär Christian Lindner empfahl seiner Partei nach dem Aus für die FDP das Ergebnis "in Demut aufzunehmen". Beispiele, die alle eines zeigen: Demut mag verstaubt sein, an Wirkung hat sie nicht verloren. Manager und Politiker bedienen sich ihrer, als würde das Wort allein ausreichen, um die Scheinwerfer zu dimmen, die auf sie und ihre Misere gerichtet sind.

Für Pedro Arrupe geht es um die Reife einer Person. Er verknüpft diese im Zitat nicht etwa mit dem Intellekt, nicht mit Funktion oder Amt, sondern mit dem praktischen Tun. Nicht auf sich selbst, sondern auf die Gemeinschaft hin gerichtet. Gereift ist, wer gelassen einer Gemeinschaft dienen kann..

Demut bedeutet Mut zum Dienen. Und das Wort „Mut“ stammt vom indogermanischen mo- = sich mühen, starken Willens sein, heftig nach etwas streben und im althochdeutsch muot = Sinn, Seele, Geist, Gemüt, Kraft des Denkens, Empfindens, Wollens.

Sind das nicht auch die Attribute, nach denen wir bei der Besetzung von Führungspositionen suchen? 

Nur Mut, die Zeit ist reif für starke Diener.

 

 

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