Behalten Sie Ihren Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

(aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)


Nehmen wir einfach mal an, dass Sie vergleichbare Situationen kennen – vielleicht sogar in beiden Rollen…

Mal ganz direkt gefragt: Wann und wie gelingt es Ihnen privat wie beruflich, dem Gegenüber die ganze Bandbreite an Reaktionen offenzulassen und auszuprobieren, welche Antwort Sie auf Ihre Frage erhalten? Und: Wo lassen Sie zu, dass die gedachte Reaktion eines Anderen für Sie zur realen Begrenzung wird?

Wenn der Nachbar zu Ihrer Anfrage schon einmal „Nein“ gesagt hat? Bekommt er von Ihnen noch eine Chance beim nächsten Mal „Ja“ zu sagen?

Was meinen Sie, wie die Geschichte von Paul Watzlawick weitergeht?
Wie viele Nachbarn haben Sie?

 

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