Abkürzungen


Die Weisheit eines Menschen misst man nicht nach seinen Erfahrungen,
sondern nach seiner Fähigkeit, Erfahrungen zu machen.

George Bernard Shaw


In einer Zeit dramatischer Veränderungen
ist nur den Lernenden die Zukunft gewiss.
Die Wissenden sind gerüstet,
in einer Welt zu leben, die nicht mehr existiert.

Eric Hoffer

 

Effizienz muss sein – optimaler Ressourceneinsatz – Aufwand und Ergebnis müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Wie sonst sollen notwendige Ziele erreicht werden und die Arbeit finanzierbar bleiben? Doch Veränderung ist ungewohnt, mit Aufwand verbunden, oft erschöpfend für die Organisation. Wie verlockend der Gedanke, es könne die eine oder andere „Abkürzung“ geben! Wie verlockend das Angebot, wenn jemand signalisiert: Ich weiß wo es langgeht. Das ist der richtige Weg!
Wie viele Menschen sind irgendwann treuglaubend anderen gefolgt, die selbstsicher behaupteten, den Weg zu kennen. Die Erfahrung zeigt, dass so manche Abkürzung zur Sackgasse wird, man sich gar vor einem steilen Abgrund wiederfindet. Und oft verliert sich unterwegs der Spaß und die Wanderung gerät zum Kampf mit der Natur.

Echte Abkürzungen ergeben sich aus der Erfahrung. Wer sich und das Gelände kennt, weiß, wohin die Abkürzung führt und kann abschätzen, bei welchem Wetter der Weg sicher ist und wann sich der Umweg lohnt. Wer Erfahrung und Routine in der Arbeit hat, kann den Standard von den Sonderfällen unterscheiden, weiß, wann es besondere Sorgfalt und einen Blick auf den Einzelfall braucht. Und selbst da gilt oft das chinesisches Sprichwort: Wenn Du schnell sein willst, gehe langsam. Flüchtigkeitsfehler zu bereinigen, kostet nicht selten zu viel Zeit, Geld und Image.
Erfahrung, aus dem mittelhochdeutschen ervarunge, bedeutet Durchwanderung, Erforschung. Nicht Abkürzung.
In unbekanntem Gelände und bei neuen Herausforderungen empfiehlt es sich durchaus, bisherige Erfahrungen im Kopf durchzuspielen. Darüberhinaus braucht es aber auch die Wachheit für alles Neue und Besondere: die Offenheit, neue Erfahrungen zuzulassen.
Überall dort, wo Leben und Arbeit einer Expedition ins Unbekannte ähneln, ist es ratsam, das Nichtwissen als Ausgangspunkt der Suche anzuerkennen – und auszuhalten. Es ist ratsam, den unbekannten Weg mit Bedacht zu gehen und neue Erkenntnisse unterwegs auszuwerten.

Das unterscheidet die Weisen von den Wissenden.

 

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